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„Praxistag Pflege“ mit Gustav Herzog

Foto: Betreuer mit Kind auf Haiti

28. Februar 2011

Der SPD-Bundestagsabgeordnete Gustav Herzog beteiligte sich an der bundesweiten Aktion der SPD-Bundestagsfraktion „Praxistage: Gesundheit und Pflege für alle“ und unterstützte die Frühschicht des Seniorenzentrums von dem Deutschen Roten Kreuz in Kaiserslautern.

Zwischen dem 28. Februar und dem 2. März besuchten bundesweit viele SPD-PolitikerInnen Einrichtungen der freien Wohlfahrtspflege und arbeiteten dort einen Tag lang mit. Gustav Herzog setzt damit seinen persönlichen Einsatz der vergangenen Jahre fort, in denen er regelmäßig in sozialen Einrichtungen wie z.B. Alten- und Pflegeheimen hospitierte und die drängenden Probleme in seinem Wahlkreis persönlich kennen lernte.

Der Bundestagsabgeordnete hatte im Anschluss an den praktischen Einsatz Vertreter anderer Pflegeeinrichtungen der Stadt Kaiserslautern sowie die Kostenträger zum Fachgespräch geladen. Am Runden Tisch sollten Eindrücke vor Ort, Probleme des Pflegemarktes und mögliche Lösungsansätze besprochen werden. Die Vorsitzende der rheinlandpfälzischen Pflegegesellschaft, Frau Schneider-Solveigh, wies als Erste auf den Fachkräftemangel inder Pflege hin: “Es gibt genug Bewohner, die darauf warten aufgenommen zu werden. Arbeit ist da. Aber wir haben nicht genügend Auszubildende und Fachkräfte für den Bedarf in diesem Bereich, der soviel Körpernähe verlangt“. Auch Herr Greß vom Bürgerhospital schloss sich dieser Sichtweise an, wies auf die gestiegenen Zugangsvoraussetzungen für das Personal hin und betonte die Notwendigkeit das Image der Altenpflege zu verbessern, wofür aber auch die Pflegeeinrichtungen selbst mehr Werbung machen müssten. Frau Kaye, Heimleiterin des Diakonissenheims in Kaiserslautern, zeigte als möglichen Lösungsansatz auf, dass schon früh im Kindergarten und Grundschulalter mit Einbeziehung der Eltern auf die Pflege und das Berufsbild aufmerksam gemacht werden müsse. Das Problem genügend Fachkräfte zu finden, werde durch die Abschaffung des verpflichtenden Zivildienstes, durch den junge Leute für diesen Bereich in den vergangenen Jahren noch begeistert werden konnten, verschärft, waren sich die Beteiligten einig.

Herr Prinz, Geschäftsführer des Deutschen Roten Kreuzes, verantwortlich für die ambulante Pflege seines Verbands in der Stadt Kaiserslautern, wies auf die Vorteile des Berufsbildes hin: Arbeitsplatzsicherheit, Freizeitausgleich nach erfolgter Schichtarbeit, flexible Arbeitseinteilung mit Teilzeitstellen, was in diesem Frauen-dominierten Berufsfeld von Vorteil sein könne. Prinz forderte aber von der Politik Rahmenbedingungen für die Möglichkeit körperlich weniger beanspruchender Arbeitsmöglichkeiten für ältere Beschäftigte und gesetzliche Rentenregelungen für dieses spezielle Berufsbild zu schaffen.

Ein weiteres Problem wurde in der Bürokratisierung der Tätigkeit der Pflegekräfte identifiziert. Herr Renz, Leiter soziale Arbeit des rheinland-pfälzischen Landesverbands des Deutschen Roten Kreuzes, betonte, dass zuviel Dokumentation der ausgeführten Tätigkeiten gefordert sei und dadurch zu wenig Raum für die eigentliche Pflege am Menschen bleibe. Auch sei eine neue Definition des Pflegebegriffs von Nöten, bei der Altersdemenz ebenfalls einbezogen und die Begutachtungsrichtlinien überdacht werden müssten. Herr Heinelt, Sozialplaner vom Referat Soziales der Stadt plädierte für einen ganzheitlichen Ansatz in der Pflege, wobei eine Einbeziehung der Kommunen bei städtebaulichen Überlegungen, beispielsweise hinsichtlich baulicher Voraussetzungen für barrierefreies Wohnen unerlässlich sei. Nachdenken könne man auch über Gemeinschaftsräume für gemeinsame Mahlzeiten oder zentral organisierte Arztbesuche und entsprechende Busanbindungen im jeweiligen Stadtteil, so dass alte Menschen möglichst lange eigenverantwortlich in den eigenen vier Wänden bleiben und vor Ort betreut werden könnten.

Die Beteiligten waren sich einig: Es läuft auf die Frage hinaus, was uns Pflege in einer Gesellschaftsstruktur mit zukünftig immer mehr älteren Menschen wert ist, dabei ist auch ein Umdenken und Wertschätzung für diesen wichtigen Beruf im Zentrum der Gesellschaft notwendig.

Der Abgeordnete Gustav Herzog diesbezüglich: „Ich habe hohe Achtung für den Einsatz der Pflegekräfte. Wir müssen uns vermehrt Gedanken machen, denn die alten Menschen werden mehr, älter und schwieriger zu pflegen. Damit die Pflegekräfte dies leisten können, müssen wir uns sowohl über Finanzierung als auch die Rahmenbedingungen für die Arbeitskräfte in diesem Bereich etwas einfallen lassen. Damit die Einrichtungen der Pflege im Wettbewerb mit anderen Arbeitgebern mithalten können und wir eine ausreichende Betreuung im Alter gewährleisten sowie Altersarmut und Vereinsamung vorbeugen. Wir brauchen dringend gut ausgebildete Leute in diesem Bereich“. Herzog verdeutlichte, wie sehr ihm der Tag gefallen und was er dadurch gelernt habe. „Dieser Einsatztag ist ein wichtiger Schritt auf meinem Weg, sozialdemokratische Gesundheitspolitik an den realen Lebensumständen der Menschen zu orientieren und ein genaues Bild der Situation in meinem Wahlkreis vor Ort zu bekommen.“ Um auch weiterhin informiert zu bleiben, wurde mit den Anwesenden gleich ein weiterer Gesprächstermin zum Thema „Finanzierung der Pflege“ im zweiten Halbjahr vereinbart.