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Trauer kann man nicht abnehmen

Foto: VIEW Rheinpfalz, Ingrid Mayer

16. März 2015 

Mit dem Schmerz umgehen: DRK bietet Trauerbegleitung für Kinder an

Aggressionen, Albträume, Schulversagen oder körperliche  Beschwerden wie Bauch- und Kopf-schmerzen: Wenn Kinder mit dem Tod einer geliebten Person konfrontiert werden, sind die Anzeichen ihrer Trauer sehr verschieden. Speziell ausgebildete Trauerbegleiter können ihnen dabei helfen, mit ihren Gefühlen umzugehen. Ingrid Mayer baut gerade eine Trauerbegleitung für Kinder beim Deutschen Roten Kreuz auf.

„Die Trauer kann man den Menschen nicht abnehmen, aber man kann sie begleiten und unterstützen“, schildert Ingrid Mayer ihre Arbeit. Zwei Jahre lang, von 2010 bis 2012 hat sie sich zur Trauerbegleiterin ausbilden lassen. Seit 2012 unterstützt sie als Trauerbegleiterin im Bestattungsinstitut de Schutter Erwachsene bei ihrer Trauerarbeit. Seither hat sich Mayer intensiv mit dem Thema befasst und viel dazu gelesen, wie sie erzählt.

Irgendwann habe sie sich gefragt, was mit trauernden Kindern sei, wer sich um ihre Sorgen kümmere. Mayer selbst war 14 Jahre lang als Spiel- und Kontaktgruppenleiterin beim Deutschen Roten Kreuz tätig, die Belange von Kindern liegen ihr immer noch sehr am Herzen, wie sie berichtet. Als sie dann vor einem Jahr die Initiative „Herzenssache“ des SWR und des SR entdeckte, die Trauerbegleitung für Kinder finanziell unterstützt, war für Mayer klar: „Ich will eine Trauerbegleitung für Kinder in Kaiserslautern aufbauen.“ Im Namen des DRK bewarb sie sich 2014 bei „Herzenssache“ und erhielt eine Förderung für zwei Jahre. Anfang des Jahres nahm Mayer ihre Arbeit auf, betreut werden Kinder im Alter zwischen sechs und zwölf Jahren. Bisher arbeitet sie in zwei Familien mit insgesamt fünf Kindern. In einem Fall sei der Vater gestorben, im anderen Fall sei es der Tod der Oma gewesen, mit dem sich die Kinder auseinandersetzen mussten.

„Kinder trauern zyklisch“, beschreibt Mayer: In einem Moment spielen sie und alles scheint in Ordnung, im nächsten Moment sind sie traurig oder aggressiv. „Die Gefühle kommen nie auf einmal, das würden die Kinder gar nicht aushalten“, schildert Mayer, wie wechselhaft Kinder Trauer erleben. Wichtig sei, den Kindern zu zeigen, dass diese Gefühle normal sind und zugelassen werden sollten. Damit hätten Erwachsene jedoch häufig Probleme, da sie selbst mit ihrer Trauer kämpfen. Ein aggressives Kind, das seine Trauer auf diesem Weg auslebe, kostet viel Kraft, beschreibt Mayer. In diesem Trauerprozess will sie die Familien unterstützen. Ein Ersatz für eine Therapie, die unter anderem bei traumatischen Erlebnissen notwendig werde, sei die Trauerbegleitung jedoch nicht.

Meist wollten Erwachsene die Kinder vor der Trauer schützen, doch das sei nicht gut, sagt Mayer. „Die Kinder müssen unbedingt in den Prozess mit einbezogen werden“, rät sie. Mit Religion habe Trauerbegleitung nichts zu tun - sie soll für jeden unabhängig seines Glaubens zugänglich sein. Die Trauerbegleitung des DRK bestehe aus drei Elementen, berichtet Mayer: Zuerst betreue sie die Kinder und ihre Familien individuell, danach gebe es die Möglichkeit, einen Kinder-Trauerkreis beim DRK zu besuchen. Der sei noch im Aufbau, jeweils am ersten und dritten Montag im Monat sollen sich die Kinder dort treffen können, schildert Mayer.

Weiter plant sie eine Ferienfreizeit für trauernde Kinder im Alter von sieben bis zwölf Jahren, finanziert wird das Projekt von der Stadtverwaltung. Einen Termin hat Mayer schon gefunden: Vom 27. Juli bis zum 8. August hat sie Zimmer in einer Jugendherberge in Ueckermünde an der Ostsee reserviert. Wie lang die Kinder die Trauerbegleitung in Anspruch nehmen wollen, können sie selbst entscheiden, sagt Mayer. „Die Ferienfreizeit könnte ein Abschluss für si e sein, muss es aber nicht.“ Ein nächstes Ziel hat Mayer bereits vor Augen: Die Trauerbegleitung für Jugendliche. „Das ist wieder etwas ganz anderes.“

Quelle: Rheinpfalz, von Julia Luttenberger